Durch die Norwegische Finnmark

Die erste Nacht in Norwegen haben wir ruhig hinter uns gebracht. Fakt ist: Es wird definitiv gar nicht mehr dunkel. Um kurz vor zwei war die Sonne schon wieder zurück. Man weiß es ja, dass es so sein wird, doch der Körper ist nicht wirklich darauf eingestellt.
Wir starteten in Kirkenes und fuhren zum Hafen, an dem auch die Hurtig Ruten anlegen. Das war gerade der Fall und die Fähre „Kong Harald“ machte mit einem riesen tröten fest. 100 Meter von der Anlegestelle entfernt war die örtliche Ver- und Entsorgungsstation für Busse, Wohnmobile und Wohnwagen. 100% Gratis – Nicht schlecht…
Anschließend bogen wir nach rechts ab, eigentlich in die falsche Richtung. Wir machten uns auf in Richtung russische Grenze. Auch wenn wir kein Visum mitführten, fuhren wir 60km über eine Buckelpiste mit Schotter und tausenden Schlaglöchern entlang der Grenze und des Grenzflusses zum äußersten Punkt Norwegens zur „Grense Jakobselv“. Ein Fleckchen Erde im Nirgendwo. Die russische Grenze mit den stationären Wachposten immer in Sichtweite. In diesem Militärischen Bereich ist das halten, campieren und das Fotografieren strengstens verboten. Keine Sorgen, ja, wir leben noch, auch wenn zwei Wachposten erst nach dem Rechten schauen mussten.
Mit uns standen insgesamt fünf deutsche Fahrzeuge auf dem Parkplatz kurz vor dem Ende des schönen Nichts… Sandstrand, tolle Fotomotive und ausgewaschene Felsen machten diesen Ort doch sehr reizvoll! Schnell kamen wir mit den anderen ins Gespräch und die Ziele waren doch relativ ähnlich. Eines der Pärchen trafen wir bereits im finnischen Weihnachtsmanndorf. Mal sehen, wo wir uns auf unserer Reise noch so begegnen…

Man sollte meinen, dass man wenigstens am Ende des Nichts ruhig schlafen kann. Flöte Piepen: Um halb eins des Nächtens erreichte ein Reisebus voller Touris diesen einsamen Ort. Alle stiegen aus, quasselten lauthals durch die Gegend, rannten um die Womos und machten Fotos ohne Ende. Ja, es war noch hell! Es dauerte exakt eine halbe Stunde, es war wieder Ruhe und man konnte das Meer wieder rauschen hören.
Dennoch ausgeschlafen ging es zurück an Kirkenes vorbei über Tana Bru nach Langnes. Langnes ist kein Ort, kein Dorf, keine Häuseransammlung. Eigentlich ist Langnes ein Fleck an der Mündung des Tanaelv an dem es einen kostenlosen Campingplatz gibt. Ein Campingplatz ohne Rezeption, ohne alles. Doch es gibt zwei Plumpsklos und eine steinige Möglichkeit kleine Boote ins Wasser zu lassen. Wir genossen den Blick auf die Klippen, das Möwengeschrei und ließen diesen Abend relativ früh ausklingen.

Fabian erklärte heute um 05.30 Uhr die Nacht für beendet. Stimmt, die Sonne lacht durch die Wolken und wir nutzen dieses frühe Aufstehen um ausgiebig zu frühstücken mit allem was dazu gehört. Es ist ja schließlich Sonntag, oder so… ;-)
Wir starten die Rückreise mitten durch die norwegische Ostfinnmark und fuhren hierbei die Straße „98“ von Tana Bru (Langnes) bis Ifjord. Eine gut ausgebaute Straße mitten über verschiedene Hochplateaus. Eine wahnsinnig schöne Strecke und das immer nah am Abgrund mit vielen Felsformationen, kleinen und größeren Seen, die mit kristallklaren Wasser gefüllt waren! Klasse!!!
In Ifjord bogen wir auf die „888“ ab. Unser Ziel ist das eigentliche „Nordkapp“. Wir folgten der Straße immer am Wasser entlang bis es nicht mehr weiter ging. Welch eine Straßenführung! Schöner geht es nicht…
Wir sind am nördlichsten Ende Europas in Slettnes angekommen! Slettnes liegt gute 12 km nördlicher als das „Touristen-Nordkapp“, welches wir vermutlich übermorgen erreichen. „Weiter nach Norden kann man mit dem Auto auf dem europäischen Festland nicht fahren“, schreibt der Reiseführer.
Tollster Sonnenschein, Wind ohne Ende, einfach TOLL und ein irre Gefühl! Wir besuchen den dortigen Leuchtturm, trinken im nördlichsten Café Europas einen Kaffee, eine heiße Schokolade und genießen zu dritt zwei frisch gebackene Waffeln.
Mit einer kleinen Klettertour zu den Klippen am äußersten Ende des Zipfels schließen wir den Tag ab. Heut Abend wird in einer kleinen Feierstunde der Maracuja Secco aus der Dernauer Dagernova geköpft!
Und eines steht fest: Diesen Meilenstein mit diesen Eindrücken kann uns keiner mehr nehmen!

Ach ja, Wetter: Wetter haben wir hier auch…
Von den finnischen 30°C haben wir uns ab der norwegischen Grenze verabschiedet. Jeden Kilometer gegen Norden wurde es kälter. Nach zwei bedeckten Tagen haben wir jetzt aktuell 9°C, Sonne und gefühlte 8-9 Windstärken. Schon fast etwas frostig, so dass ich heute meine kurzen Hosen, gegen die die erste lange Hose eintauschen musste!

Bilder sagen dann doch mehr als tausend Worte… ;-)

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